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DeltaR ΔR

von Wolfgang Loester - Montag, 28. Dezember 2015, 16:37
 

Kaum jemand kann heutzutage ein hochwertiges Fenster verkaufen, ohne den Begriff "u-Wert" zu verwenden. Der ΔR-Wert dient dazu, aus dem u-Wert, den ein Fenster ALLEINE hat, den u-Wert des Fensters GEMEINSAM mit Rollladen, Jalousie, Markise, Rollo usw. zu berechnen und anzugeben.

Das Dreieck ist der griechische Buchstabe "Delta", der gewöhnlich für "Differenz" verwendet wird und R steht für den zusätzlichen Wärmedurchgangswiderstand (ähnlich "R" für den elektrischen Widerstand). Das Problem ist nämlich, dass u-Werte nicht einfach addiert oder subtrahiert oder multipliziert/dividiert werden können. Man kann aber aus dem u-Wert des Fensters den R-Wert des Fensters (genau genommen R-gesamt, also inkl. RSi und RSe) errechnen, indem man den Kehrwert bildet: R = 1/u-Wert. Zu diesem R-Wert addiert man einfach ΔR. Aus dem Ergebnis bildet man dann wieder den Kehrwert und hat damit den u-Wert des Fensters inkl. Abschluss.

Ein Beispiel: Ein hochwertiges Fenster mit "optimiertem" 3-fach-Isolierglas hat einen u-Wert von 0,8 W/m²K (vgl. TR 108, S. 13). Der R-Wert ist dann (1/0,8) 1,25 m²K/W. 
Dazu addiert man z.B. den ΔR eines PVC-Rollladens mit Luftdichtheitsklasse 5, also 0,265 m²K/W. Macht zusammen 1,515 m²K/W. Der Kehrwert daraus ergibt den u-Wert des Fensters mit geschlossenem Rollladen: 0,66 W/m²K. Man kann also selbst bei einem so hochentwickeltes Fenster unter gewissen Voraussetzungen den Wärmedurchgang um noch einmal 17% verringern.

Bis vor ein, zwei Jahren gab es nur sehr ungefähre Angaben darüber, wie ein Rollladen den u-Wert eines Fensters verbessert. Dank ΔR und TR 108 können wir heute die Verbesserung prozentgenau angeben, und zwar für jedes Fenster und für jeden Abschluss, innen oder außen.

ΔR ist von drei Faktoren abhängig. Vom Material des Behangs und von der Luftdichtheit (ggf. Porösität) und den strahlungstechnischen Eigenschaften des Behangs. Was mir dabei besonders gut gefällt: Es ist alles sehr einfach nachvollziehbar. D.h., im Gegensatz zur Windstabilität sind aufwendige Nachweisverfahren nicht erforderlich. Es gibt bis zu fünf Klassen für die Luftdichtheit und Pauschalwerte für Materialien. Die Zuordnung ist recht einfach. 

Was das bringt? Öft hört man einen Kunden sagen, er benötige keinen Rollladen, weil er sich für eine Fenster mit sehr geringem u-Wert - z.B. 0,8 W/m²K entschieden hat. Das Fenster ist dann nicht nur hochwertig, sondern sicher auch hochpreisig. Dem kann man jetzt sagen, er kann die Wirkung des Fensters um weitere 17% verbessern. Wenn man im gegebenen Beispiel Luftdichtheitsklasse 5 statt 3 anbietet, bedeutet alleine das schon eine Verbesserung um 5% (17% statt 12%). Der Unterschied zwischen Klasse 3 und Klasse 5 ist vom Aufwand her relativ gering: Führungen und Endleiste mit Dichtungen, Schlauchdichtungen am Kasteneinlauf. Das bedeutet, dass hier Argumente geliefert werden, für zusätzliche Wertschöpfung. (Weitere Rechenbeispiele in TR 108).

ΔR ist also nicht ein zusätzliches Problem, sondern ein Mittel, das man einsetzen kann, um zusätzlichen Umsatz/Gewinn zu generieren.

Das ist natürlich alles sehr verkürzt. Alles, was man wissen muss, steht sehr ausführlich in TR 108 vom BVRS.

 

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